Vietnam 2019: Mekongdelta mit Linh

Montag, 04.11.19

Wir sind gegen 21 Uhr im Gasthaus „Chambres D’Hotes Mekong – Logis“ angekommen.

Wir wurden sehr warmherzig von Linh, der 27 jährigen Gastgeberin, begrüßt. Direkt nach der Ankunft hat sie uns viele Informationen zur anstehenden Tour am nächsten morgen und der direkten Umgebung gegeben. Wir sind daraufhin in eine Straße gegangen, in der es viele lokale Imbissbuden gab. Ingo hatte sich dort für ein etwas seltsames Hähnchen entschieden, Christians und mein Essen war dagegen ganz in Ordnung. Da aber die Tour am nächsten Morgen um 05:30 Uhr starten sollte, sind wir kurz darauf ins Bett gegangen.

Tour durch das Mekong Delta

Dienstag, 05.11.19

Linh, zwei deutsche aus der Kölner Gegend und wir starteten in den Tag. Wir alle freuten uns bereits, da wir viel Gutes von der Tour gehört haben. Da wir erst noch ca 30 Minuten Roller fahren mussten, um zum Fluss zu gelangen, waren wir gezwungen uns ziemlich schlagartig an den asiatischen Verkehr zu gewöhnen. Aber glücklicherweise war es ja nicht das erste Mal dass Ingo und ich dies tun, deshalb war es wirklich nur nochmal eine kurze Gewöhnung.

Nachdem wir den Roller geparkt haben und uns zum Holzboot begeben haben, sind wir eine kleine Tour mit dem Boot gefahren. Überall am Wasser leben Menschen, auf einem „floating Market“ werden diverse Früchte und andere landwirtschaftliche Produkte in großen Mengen verkauft. Linh erklärte uns, dass die Preise hier nur ca. ein Viertel des Verkaufspreises an den Straßen beträgt. Diese Flöße kann man also wie einen Großhandel verstehen 🙂 man muss direkt den kompletten Inhalt des Floßes kaufen.

Danach gehen wir in ein lokales Suppen-Restaurant, wo wir die bisher beste Suppe zum Frühstück aßen. Man war die gut! Es war eine Rinderbrühe mit Koriander, Knoblauch, Pfeffer und kleinen Limonen. Als Einlage gab es etwas Maultaschen-ähnliches. In Vietnam frühstückt man größtenteils Suppe und allgemein eher salzige statt süße Dinge.

Wir haben mit Linh über Gott und die Welt gesprochen, darunter die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Vietnam. Ihr Englisch war dabei das beste was wir bisher von einheimischen gehört haben. Sie erklärte uns, dass sie es vor allem durch die vielen Touren so gut spreche. In der Schule würde ihnen nur ein Band mit Begriffen vorgespielt werden, die die Klasse daraufhin wiederholen müsse.

Markt-Besuch

Nach dem Frühstück zeigte Linh uns einen lokalen Markt, auf dem die Einheimischen mindestens zwei mal täglich frisch kaufen würden. So etwas wie einen Supermarkt gäbe es kaum, deshalb gab es dort wirklich alles. Sie erklärte uns, dass sie den Markt nicht mit allen Gruppen besuche, da oft auch Touristen mit einer etwas höheren Hemmschwelle mit ihr unterwegs seien. Uns haben die vielen Tiere und gehäuteten Schlangen und Aale wenig ausgemacht. Daraufhin hat sie uns von einer Dame jeweils noch lebendige Wasserschlangen und einen Aal in die Hand gedrückt und sich sichtlich an unseren Blicken belustigt. Vieles war allerdings auch schräg und etwas traurig, beispielsweise lebendige Enten die bis auf den Hals in Plastiktüten eingesperrt waren und so verkauft wurden. Krönender Abschluss des Marktbesuchs war dann als mehrere alte Männer laut lachend Ingo und den Kölner begutachteten und sich zum Größen-Vergleich neben die beiden stellten.

Zu Fuß unterwegs zwischen den Häusern am Wasser

Da eine Schleuse geschlossen war, hat uns Linh vom Boot aus ans Ufer navigiert. Dort sind wir dann schmale Wege entlang des Kanals gegangen und haben so einen Einblick in das Leben der Anwohner gehabt. Alle waren auch hier sichtlich amüsiert darüber wie wir versuchten „Hallo“ zu sagen.

Kurz darauf hat Linh dann noch eine alte Dame, die gerade vor ihrem Haus Pfeffer am Schälen war, gefragt ob wir ihr Haus sehen dürften. Diese hat zugestimmt und uns wurde dann im Inneren ein paar Dinge über die Einrichtung und die Gepflogenheiten erklärt. Da man hier mit der Familie eigentlich nur auf dem Boden sitzt und isst, ist es überall üblich die Schuhe vor der Haustür auszuziehen.

Bootstour mit Frucht-Verkostung

Nachdem unser Boot irgendwie für uns an der Schleuse vorbeimanövriert wurde, stiegen wir wieder an Bord. Linh hatte zuvor einige Früchte für uns auf dem Markt gekauft und sie während der Fahrt für uns geschält, gestückelt und uns bei den uns unbekannten gezeigt wie man sie isst. So sind wir dann ungefähr noch eine Stunde durch die Kanäle gefahren und haben weitere über unsere unterschiedlichen Kulturen gesprochen. Irgendwann lachte sie laut und sagte uns, dass wir gerade einen typisch vietnamesischen Tag verbringen würden: Durch die Gegend schippern, sich unterhalten und immer wieder etwas essen.

Nachdem wir wieder anlegten, sagte sie uns dass es mit uns eine sehr angenehme Tour sei. Sie habe oft Touristengruppen die kaum auf ihre Gespräche eingingen und kaum lachen. Da sie schon morgens gesehen hatte, dass wir relativ sicher Roller fahren konnten, bot sie uns deshalb an einen Umweg für den Heimweg zu nehmen. So sind wir dann ca. eine Stunde entlang des Kanals auf teils nur 1,5 Meter breiten Wegen gefahren. Das war dann tatsächlich nochmal ein kleines Abenteuer und sehr interessant, da man so noch mehr Häuser von Anwohnern sehen konnte.

Als Abschluss schenkte uns Linh dann noch ein kleines Holzperlen-Armband und verabschiedete sich mit einer Umarmung. Sie gab uns noch eine Liste mit Dingen die sie uns auf unserer weiteren Reise empfahl.

Ich habe bisher noch nie so eine unterhaltsame, informative und gute geführte Tour gemacht!

Weiterreise nach Soc Trang

Nach der Verabschiedung sind wir in einen Schlaf-Bus in Richtung Soc Trang gestiegen, von wo aus wir am nächsten Morgen die Fähre auf die Insel Con Dao nehmen.

Die Schlafbusse waren schon sehr knapp bemessen für unsere Beinlänge!

In dem Ort an sich wirkte es nicht so, als sei in der Nähe von unserer bescheidenen Unterkunft besonders viel los gewesen.

Da wir aber nicht den kompletten Abend in einem fensterlosen Zimmer verbringen wollten, haben wir uns auf die Suche nach einem ATM und einer Bar gemacht. Uns viel bereits relativ schnell auf, dass die Leute in dem Ort anscheinend noch weniger an Touristen gewöhnt waren. Überall schaute man uns hinterher und alle Leute die ich mit einem „Xin Chào“ begrüßt haben waren besonders überrascht und belustigt.

Hier saßen wir auf den viel zu kleinen Hockern

Nachdem wir Geld abgehoben hatten, haben wir ein gemütliches Open Air Restaurant gefunden, in das wir uns anschließend setzten und uns Bier bestellten. Bekommen haben wir daraufhin ein 24er Pack mit „Bia Saigon Lager“ Dosen bekommen, die wir anschließend in einem Eimer mit Eis kühlten.

In diesem Restaurant waren wir anscheinend wirklich ein absoluter Publikumsmagnet. Jeder zweite schaute immer wieder zu uns herüber und grinste uns entgegen. Auch die Bedienungen kamen immer mit mehreren Leuten und versuchten uns davon zu überzeugen etwas zu essen. Da wir aber keinen Hunger hatten, lehnten wir dankend ab. Etwas später kamen dann mehrere Gruppen von ca. 20 jährigen zu uns und fragten uns auf gebrochenem englisch, woher wir kommen. Als ich dann auf vietnamesisch antworten konnte, dass wir deutsche seien und einen Trinkspruch (übersetzt „Auf die Gesundheit“) sagte, johlten alle und tranken mit uns ein Bier. Wir waren dann etwas verwundert als sie alle ihr Bier komplett in einem Zug tranken, aber vielleicht gehört das ja zum Spruch dazu. Also Prost und weg damit!

Ein wenig später kam einer der Jungs aus der Gruppe erneut an unseren Tisch, diesmal jedoch mit einem Teller voller in Knoblauch zubereiteter Muscheln. Er symbolisierte uns, dass es ein Geschenk von ihnen sei und zeigte uns kurz wie wir sie öffnen können. Wie gastfreundlich ist das denn? Wir waren auf jeden Fall sehr dankbar und aßen den Teller leer. An das Foto habe ich leider erst gedacht, nachdem wir aufgegessen hatten 🙂

Wir bedankten uns anschließend mit einer Runde Bier bei der Gruppe, leerten die restlichen Biere und gingen anschließend ins Bett. Am nächsten Tag müssen wir schließlich wieder um 05:00 Uhr aufstehen, um die Fähre nach Con Dao zu bekommen.

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