Vietnam 2019: Ha Giang Loop

Anreise von Cat Ba Island

Samstag, 23.11.19

Der Rezeptionist unseres Hotels erklärte uns, dass der Bus jeden Moment da sein. Als ich nach einem Ticket oder irgend einer Bescheinigung für die Weiterreise fragte, sagte er nur, dass alles geklärt sei. Wir würden gegen 03:00 Uhr morgens an einem Hostel in Ha Giang ankommen, dass noch geöffnet habe. „Na gut“ dachte ich mir und wir stiegen in den eingetroffenen 20-Sitzer Bus ein. Wir fuhren anschließend mit einigen anderen Passagieren in Richtung Fähre. Nachdem wir auf das Festland übergesetzt hatten, Wurden wir erneut von einem 20-Sitzer Bus abgeholt. Tatsächlich mussten wir hier nichts vorzeigen, wir sind einfach eingestiegen, nachdem der Fahrer „Ha Giang and Hanoi“ sagte. Es ging anschließend ziemlich genau vier Stunden weiter nach Hanoi. Hier setzte uns der Busfahrer bei einem kleinen Reisebüro ab und signalisierte uns, dass wir hier warten sollten. Etwas perplex und planlos stiegen wir aus und schauten anschließend in das Reisebüro. Dort saß, neben den Angestellten, ein aufgedrehter Franzose, der ebenfalls nach Ha Giang wollte. Das klingt doch schon mal so, als wären wir richtig! Innerhalb weniger Minuten erschien erneut ein kleiner Bus, in den wir einsteigen sollten. Auch hier wurden wir nach keinerlei Ticket oder ähnlichem gefragt 🙂 Es saßen bereits ein paar Belgier drin, die ebenfalls nach Ha Giang wollten. Der kleine Bus fuhr uns zu einem Bus-Terminal, an dem wir in einen Schlaf-Bus umsteigen sollten. Niemand hatte wirklich einen Überblick wo er hin muss oder was uns als nächstes erwartet, aber da es anscheinend irgendwie funktionierte, fuhren wir mit dem Schlafbus los.

Sonntag, 24.11.19

Gegen 03:00 Uhr weckte der Busfahrer einige Vietnamesen im Bus, die daraufhin ausstiegen. Auf Nachfrage ob wir bereits da seien, gab es allerdings keine Antwort. Wir warteten also einige weitere Stops planlos ab, bis wir schließlich noch mit einem weiteren Belgier die letzten Gäste im Bus waren.

Der Busfahrer hielt schließlich beim zentralen Bus-Bahnhof in Ha Giang an und signalisierte uns, dass wir aussteigen sollten. Als ich gerade begann schlechte Laune zu bekommen, weil uns versprochen wurde dass wir bei einem Hostel herausgelassen werden, begrüßte uns ein verschlafener Amerikaner mit blonden lang gelockten Haaren und erklärte uns, dass er uns für das Riverside Hostel abhole. Faszinierend, dass das alles tatsächlich funktioniert hat 🙂

Kurz darauf kamen wir im „Riverside Hostel“ an und der Amerikaner erklärte uns, dass wir diese Nacht kostenlos dort ausschlafen könnten. Da wir um 07:00 Uhr los zum Ha Giang Loop wollten, war uns das sehr recht. Wir schliefen also in sehr einfachen Hochbetten in einem offenen Treppenhaus für drei weitere Stunden.

Ha Giang Loop: Tag 1/3

Am nächsten Morgen bestellten wir Frühstück bei dem Amerikaner, der uns anschließend eine Karte des Ha Giang Loops gab und einige Dinge erklärte.

In der Provinz Ha Giang im Norden Vietnams gibt es einige wunderschöne Aussichten von Straßen die durch die Berge führen. In einigen Dörfern innerhalb der Provinz hat sich mittlerweile der Tourismus herumgesprochen, weshalb hier überall Homestays und günstige Hotels finden. Der „Loop“ ist also das Abfahren einer besonders schönen Rundstrecke. Empfohlen wurden uns zwar vier Tage, um den Loop in aller Ruhe fahren zu können, allerdings wollten wir mindestens noch zwei Nächte in Hanoi als Abschluss unserer Reise verbringen, weshalb wir leider nur drei Tage respektive zwei Nächte hatten. Der Amerikaner sagte uns aber, dass es trotzdem gut machbar sein sollte. Thomas, der Belgier, den wir am Abend zuvor im Bus kennenlernten, fragte den Amerikaner nach einem Polizei-Checkpoint. Er habe etwas von einer Touristen-Abzocke direkt in Ha Giang gehört, in der mal wieder irgendetwas gefunden wird, um Schmiergelder zu verlangen. Der Amerikaner meinte daraufhin, dass es das tatsächlich immer mal geben könnte. Seine Empfehlung war es aber, einfach die Polizei zu ignorieren und durch die Straßensperre durch zu fahren. Er habe das schon oft gemacht und all seinen Gästen empfohlen, die einzigen die immer Probleme hatten, waren diejenigen, die angehalten haben. Das klingt ja spannend 🙂 wir hofften einfach mal nicht in die Situation zu kommen, und liehen uns zwei Semi-Automatik Roller in unserem Hostel.

Vorne Links ist mein Gefährt für die nächsten drei Tage zu sehen

Für den ersten Tag hatten wir 160km nach Dong Van vor uns.

Was erst mal nach nicht viel klingt, ist durch die Straßenverhältnisse und den Verkehr aber kaum unter sechs Stunden reiner Fahrzeit zu machen. Rechnet man diverse Pausen zur Gesäßs-Erholung, Getränke, Essen und Bilder mit ein, ist dies tatsächlich ein strammes Programm. Es ging über viele steile Berge, Serpentinenstrecken und durch viele Baustellen immer weiter, Höhenmeter für Höhenmeter. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke sahen wir eine kleine Holzbrücke, über die ein Roller gefahren kam. Das sah so abenteuerlich aus, dass wir es natürlich auch versuchen mussten!

Auf der anderen Seite der Brücke sind wir in einem kleinen Dorf angekommen. Als uns dort ein kleines Kind freundlich zuwinkte und „Hello!“ rief, gab Ingo ihm einen seiner Kekse, die er im Rucksack hatte. Der Junge freute sich sichtlich und viele Menschen um uns herum lächelten uns freundlich zu. Ein älterer Herr lud uns anschließend, rein durch Gesten, auf eine Pfeife und einen Reiswein-Schnaps ein. Das war vielleicht ein verrücktes Erlebnis 🙂 Ich stellte uns auf vietnamesisch vor, erklärte dass wir aus Deutschland kommen und auf dem Weg nach Dong Van sind. Die Männer wollten uns anschließend einen weiteren Schnaps anbieten, den wir aber dankend ablehnten. Schließlich hatten wir noch mindestens 80km Rollerfahrt vor uns. Wir verabschiedeten uns und fuhren anschließend weiter.

Regelmäßige Pausen waren wirklich eine Erholung für Gesäß und Rücken

Die Baustellen auf dem Weg waren wirklich nochmal ein völlig neues Erlebnis. Die Straßen bestanden in den Baustellen nur noch aus Schotter, links und rechts Standen Bagger, während die Bagger etwas abgruben fuhren Roller einfach weiter und so etwas wie eine Ampel gab es natürlich nicht.

Die Baustellen waren wirklich sehr eng

In den Bergen sahen wir sogar einige Hmong-Kinder in dem Kies der Baustelle spielen. Die Hmong sind zwar ein Bergvolk, allerdings war es schon etwas verstörend kleine Kinder an 500m tiefen Berghängen spielen zu sehen.

Leider war das Wetter zwar trocken, dafür aber etwas wolkig. Durch die ständigen Berg- und Talfahrten konnte man dadurch zwar immer Abwechselnd Tal und Berg sehen, allerdings war die Wolkendecke zu dicht um vom Berg richtig ins Tal blicken zu können.

Die Straßen waren teilweise gut ausgebaut, oft allerdings auch grottenschlecht mit riesigen Schlaglöchern

Irgendwann bemerkten wir, dass wir anscheinend zu viel Zeit beim Bestaunen der Landschaft vergeudet hatten: Es wurde dunkel. Wir hatten allerdings immer noch ungefähr 30km mit unzähligen Baustellen vor uns. Da uns aber nichts anderes übrig blieb, zogen wir uns noch etwas wärmer an und fuhren weiter. Als wir endlich gegen 19 Uhr und zwei Stunden Fahrt durch die Dunkelheit in Dong Van ankamen, duschten wir, aßen kurz etwas zu Abend und fielen anschließend gegen 22:00 Uhr hundemüde ins Bett.

Ha Giang Loop: Tag 2/3

Montag, 25.11.19

Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns wieder auf den Weg. Die nächste Station war Lung Cu, ein Ort mit einem hohen Fahnenmast der vietnamesischen Flagge direkt an der Grenze zu China. Ja, Vietnam grenzt im Norden an China!

Nachdem ich ein paar Vietnamesen bei Fotos assistierte, musste natürlich auch noch schnell ein Selfie gemacht werden 🙂
Leider durch den Nebel nicht sichtbar, ist hinter uns die chinesische Grenze

Um mich nicht immer wiederholen zu müssen sage ich es hier nochmal allgemein: Der Ausblick auf der gesamten Strecke ist einfach atemberaubend. So viele Berge mit so tiefen Tälern habe ich noch nie gesehen! Ich habe mir zwar Mühe gegeben immer irgendwo im Bild etwas als Vergleich zu positionieren, damit man einen Eindruck der Dimensionen bekommt, aber das muss man einfach gesehen haben!

Kurz nach Lung Cu hat es allerdings leider angefangen zu regnen. Als mir auch noch der Sprit mehr oder weniger ausging, mussten wir nochmal kurz umdrehen um zurück nach Lung Cu zu fahren. Hier kaufte Ingo sich nochmal einen Regenponcho und wir fuhren anschließend im strömenden Regen bei 12 Grad Celsius auf den Bergen zurück nach Dong Van.

Der Regenponcho war wirklich oft nötig 🙂

Dort saßen vor einem Homestay einige Vietnamesen und zwei Touristen aus Canada an einem Feuer um sich zu trocknen und zu wärmen. Als wir (vermutlich sehnsüchtig) in die Richtung des Feuers schauten, winkte uns der Hausherr des Homestays zu sich und den anderen ans Feuer. In diesem Moment war die Laune leider wirklich ziemlich am Ende, wir entschieden uns aber trotzdem weiter zu fahren. Immerhin haben wir nur drei Tage für den Loop eingeplant, um noch genug Zeit in Hanoi zu haben.

Kurz nachdem wir weiter fuhren, hörte es glücklicherweise auf zu Regnen. Unser eigentliches Ziel, Du Gia, konnten wir allerdings nicht mehr bei Tageslicht erreichen, weshalb wir uns dafür entschieden nach Yen Minh zu fahren und am nächsten Tag weiter zu fahren.

Der nächste und schönste Teil der Strecke war wirklich atemberaubend! Na gut, doch noch einmal die Wiederholung 🙂 Trotz der Wolken war der Ausblick einfach unbeschreiblich!

Der schönste Part der Strecke führte entlang der Berge rechts

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit wurde es allerdings wirklich gruselig: wir hatten so dichten Nebel, dass man kaum weiter als 5m schauen konnte. Bei der Vorstellung dass es 3m neben uns bis zu 500m steil bergab ging, fuhren wir größtenteils im Schritttempo über die Serpentinen-Strecke. In diesem Moment habe ich mir wirklich gewünscht auf einer deutschen Straße mit Katzenaugen zu sein!

Ungefähr 10km vor unserem Ziel erreichten wir einen Ort in dem wir nochmal kurz eine Pause einlegten. Ein Restaurant-Besitzer winkte uns freundlich zu und signalisierte uns, dass wir uns zu ihm setzen sollen. Wir unterhielten uns mit Händen, Füßen und Translate-Apps ein bisschen und er stellte uns seine Familie vor. Eine wirklich nette Familie 🙂 Nach ungefähr 30 Minuten fuhren wir schließlich bis zu unserem Ziel und checkten in einem Homestay namens „2A Coffe“ ein. Nach einem kurzen Abendessen schliefen wir wieder sehr früh ein und bereiteten uns mental auf den letzten Teil der Strecke vor.

Ha Giang Loop: Tag 3/3

Dienstag, 26.11.19

Unser Wecker ging um 06:00 Uhr morgens, wir duschten und packten unsere Rucksäcke. Nach einem kurzen Frühstück im Homestay verabschiedeten wir uns und fuhren los.

Draußen freuten wir uns sehr, denn wir wurden abwechslungsweise mal von halbwegs gutem Wetter überrascht 🙂

Im Tal erreichten wir ein kleines Dorf, in dem man einen kleinen Einblick in das Leben der Hmong bekommen konnte.

Wir genossen den Ausblick, entschieden uns aber nach dem Tal relativ zügig zurück zu fahren, um einen Bus nach Hanoi zu nehmen. Auf dem weiteren Weg fuhren wir in ein sehr weitläufiges Tal.

Plötzlich bemerkte ich, dass mein Roller sich in den Kurven sehr seltsam verhielt. Nach ein paar Kilometern zeigte sich auch warum: Ich hatte einen platten Vorderreifen! Scheiße! Mitten im Nirgendwo! Ich fuhr im Schritttempo weiter, bis wir ein kleines Dorf erreichten. Glücklicherweise war direkt eine kleine Hütte zu sehen, vor der ein paar Mechaniker an Rollern am Schrauben waren. Ich zeigte ihm den platten Reifen, woraufhin der Mechaniker sofort alles liegen ließ und mein Rad abschraubte. Innerhalb von sagenhaften 5 Minuten hatte er einen Nagel in meinem Schlauch entdeckt, einen neuen eingebaut und das Rad wieder montiert 🙂 Kostenpunkt: 80.000 Dong, etwa 3€.

Wir kamen schließlich zurück nach Ha Giang, wo wir vor drei Tagen starteten. Nach einer schnellen Dusche stiegen wir in einen sechs Stunden Bus nach Hanoi.

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